Ist EMDR seriös und wissenschaftlich anerkannt?
Ja. EMDR ist seriös und gilt als evidenzbasierte Therapiemethode. Sie ist in Deutschland und international für die
Behandlung von Traumafolgestörungen anerkannt.
Trotzdem taucht die Frage immer wieder auf. Zu Recht. Denn wer eine Therapie in Betracht zieht, möchte wissen,
worauf er sich einlässt.
Was bedeutet „wissenschaftlich anerkannt“ überhaupt?
Eine Therapiemethode gilt als wissenschaftlich anerkannt, wenn sie in unabhängigen Studien untersucht wurde. Und
wenn diese Studien zeigen, dass die Methode wirksamer ist als keine Behandlung.
Fachgesellschaften und Gesundheitsbehörden werten diese Studien aus. Sie sprechen dann Empfehlungen aus oder nehmen
Methoden in offizielle Leitlinien auf.
Das ist kein bürokratischer Schritt. Es ist der Unterschied zwischen einer Methode, die sich in der Praxis bewährt
hat, und einer, die es nur behauptet.
Was die Forschung zu EMDR sagt
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Entwickelt wurde die Methode Ende der 1980er Jahre
von der amerikanischen Psychologin Francine Shapiro.
Seitdem wurde EMDR in zahlreichen Studien untersucht. Die Forschungslage ist heute umfangreich. Besonders gut
belegt ist die Wirksamkeit bei der Posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS.
Metaanalysen fassen viele Einzelstudien zusammen und suchen nach übergreifenden Mustern. Mehrere solcher Analysen
kommen zu dem Schluss: EMDR kann dazu beitragen, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten und die damit verbundenen
Belastungen zu reduzieren.
Dabei geht es nicht um einen einzelnen Mechanismus, der vollständig geklärt wäre. Die genaue Wirkungsweise wird
weiter erforscht – was für viele etablierte Therapieverfahren gilt.
Was EMDR kann — und was nicht
Was EMDR leisten kann: Raum schaffen für die Verarbeitung belastender Erfahrungen. Dazu gehören Unfälle, Verluste,
Gewalt, aber auch Kindheitserlebnisse oder andere belastende Erfahrungen, die sich im Nervensystem manifestiert haben.
Viele Menschen berichten, dass Erinnerungen nach einer EMDR-Behandlung weniger intensiv wirken. Dass das, was
früher körperliche Alarmreaktionen ausgelöst hat, an Schärfe verliert und einen neutraleren Charakter bekommt.
Was EMDR nicht kann: Vergessen erzwingen. Schmerz auf Knopfdruck auflösen. Und es gibt Menschen, für die andere
Therapiemethoden besser geeignet sind.
Ein Therapeut sollte das im Erstgespräch klären. Auch über Grenzen sprechen, nicht nur über Möglichkeiten.
EMDR evidenzbasiert zu nennen ist korrekt, solange man dabei bleibt, wofür die Evidenz tatsächlich
vorliegt. Für PTBS ist sie immens. Für andere Bereiche ist sie im Aufbau.
EMDR ist kein Allheilmittel. Aber es ist stark.
Häufige Fragen
Ist EMDR von der Krankenkasse anerkannt?
Das kommt auf die Diagnose an. Für die Posttraumatische Belastungsstörung kann EMDR im Rahmen einer
kassenärztlichen Psychotherapie eingesetzt werden, wenn der behandelnde Therapeut entsprechend ausgebildet ist.
Als eigenständiges Abrechnungsverfahren ist EMDR von den gesetzlichen Krankenkassen bisher nicht zugelassen. In der
Praxis bedeutet das: EMDR wird oft als Technik innerhalb eines anerkannten Richtlinienverfahrens angewendet.
Wer eine EMDR-Intensivtherapie außerhalb des Kassensystems sucht,
wählt in der Regel eine privat finanzierte Behandlung. Das ermöglicht mehr Flexibilität in Format und Intensität.
Wie viele Studien gibt es zu EMDR?
Es gibt mehrere Hundert publizierte Studien zu EMDR, darunter randomisierte kontrollierte Studien, die als
Goldstandard der Wirksamkeitsforschung gelten. Besonders umfangreich ist die Forschung im Bereich Trauma und PTBS.
EMDR Studien wurden in verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichen Zielgruppen durchgeführt. Die Datenbasis ist
heute solide genug, um EMDR als wissenschaftlich anerkannte Methode zu bezeichnen — zumindest für das Kernanwendungsfeld.
Für welche Beschwerden ist EMDR geeignet?
Am besten belegt ist EMDR bei PTBS und Traumafolgestörungen. Dazu gehören Erfahrungen wie Unfälle, Übergriffe,
Verluste oder anhaltende Belastungen in der Kindheit.
Viele Therapeuten setzen EMDR auch bei Ängsten, Phobien und bestimmten depressiven Verläufen ein. Die Studienlage
ist hier unterschiedlich stark. Ein Vorgespräch klärt, ob EMDR für Ihre spezifische Situation sinnvoll sein kann.
Was unterscheidet EMDR von Gesprächstherapie?
In der klassischen Gesprächstherapie steht das Verstehen im Mittelpunkt. Was ist passiert? Welche Muster zeigen
sich? Wie hängt die Vergangenheit mit dem Heute zusammen?
EMDR arbeitet anders. Nicht das Analysieren steht im Vordergrund, sondern das Verarbeiten. Belastende Erinnerungen
werden gezielt aktiviert und gleichzeitig mit bilateraler Stimulation begleitet: mit abwechselnden Reizen für die linke
und rechte Körperhälfte. Das können Augenbewegungen sein, Töne oder leichte Berührungen.
Der Ansatz ist körpernäher. Manche Menschen erleben das als direkter. Andere brauchen zunächst mehr Gesprächsraum.
Oft lässt sich beides verbinden.
In meiner Praxis in Wremen am Nordseedeich arbeite ich mit EMDR im Intensivformat. Fünf Tage, konzentriert, mit
Raum für das, was kommt. Wenn Sie sich fragen, ob das für Sie passen könnte, schreiben Sie mir gern. Kein Formular.
Keine Warteschleife. Ein kurzes Gespräch, das zeigt, ob wir zusammenpassen.