Wie wirkt EMDR bei Angststörungen?
EMDR bei Angststörungen kann dazu beitragen, die im Gedächtnis verankerte Angst zu verarbeiten. Denn viele Ängste
haben eine Geschichte. Sie entstammen nicht aus dem Nichts, sondern aus Erlebnissen, die das Nervensystem einst
überfordert haben und seitdem nachwirken.
Ob Panikattacken, Phobien oder eine generalisierte Angst, die das Leben im Hintergrund färbt: Häufig liegt ein
unverarbeitetes Erlebnis darunter. EMDR setzt genau dort an. Die Methode wurde ursprünglich für die Behandlung von
Traumafolgen entwickelt. Aber weil Angst und Trauma neurologisch eng verwandt sind, ist sie heute auch bei
Angststörungen ein relevanter Ansatz.
Wenn Angst eine Geschichte hat
Angst ist zunächst sinnvoll. Sie schützt. Sie warnt. Das Problem entsteht, wenn das Nervensystem in einem alten
Alarmzustand feststeckt und nicht mehr unterscheidet zwischen damals und heute. Ein Geruch, ein Ton, ein
Gesichtsausdruck. Das Gehirn schlägt Alarm, obwohl keine reale Gefahr besteht.
Hinter vielen Angststörungen stecken solche eingefrorenen Momente. Manchmal handelt es sich um ein klar erkennbares
traumatisches Ereignis. Oft sind es subtilere Erlebnisse: eine Kindheit, in der Unsicherheit üblich war. Situationen,
in denen man nicht gehört wurde. Nicht sicher sein. Nicht willkommen sein. Das Nervensystem speichert das alles. Und
es reagiert später, wenn etwas auch nur entfernt an damals erinnert.
Was EMDR im Gehirn bewirkt: bilaterale Stimulation und das Angstgedächtnis
Das Herzstück von EMDR ist die bilaterale Stimulation. Während die betroffene Person ein belastendes Erlebnis
abruft, wird das Gehirn rhythmisch abwechselnd stimuliert, zum Beispiel durch Augenbewegungen, Töne oder leichte
Berührungsimpulse. Dieser Wechsel zwischen rechter und linker Gehirnhälfte ähnelt dem, was im REM-Schlaf passiert. Das
Gehirn beginnt, das festsitzende Erlebnis neu zu verarbeiten.
Das Angstgedächtnis verliert dabei schrittweise seine emotionale Ladung. Das Erlebnis selbst bleibt erinnerbar, aber die körperliche Alarmreaktion, die es ausgelöst hat, kann nachlassen. Was vorher wie eine offene Wunde wirkte, lässt sich nach erfolgreicher Verarbeitung eher wie eine Narbe beschreiben. Vorhanden, aber nicht mehr schmerzhaft bei jeder Berührung. Das ist neurobiologisch plausibel und klinisch gut beobachtbar.
EMDR bei verschiedenen Angststörungen: Panikattacken, Phobien, generalisierte Angst
EMDR bei Panikattacken richtet sich auf jene Momente, in denen das Nervensystem überreagiert hat. Oft lässt sich
ein erstes Ereignis identifizieren, das das Muster ausgelöst hat. Durch EMDR kann genau dieses Ereignis verarbeitet
werden, sodass der Auslöser seine Kraft verliert. Bei spezifischen Phobien funktioniert das ähnlich: Das phobische
Objekt oder die phobische Situation hat häufig eine lerngeschichtliche Wurzel, die sich mit EMDR ansprechen lässt.
Bei der generalisierten Angststörung ist das Bild komplexer. Hier liegt selten ein einzelnes auslösendes Erlebnis
vor. Trotzdem kann EMDR auch hier eingesetzt werden, zum Beispiel um einzelne Erinnerungen zu bearbeiten,
die das Grundgefühl der Bedrohung gespeist haben. Für generalisierte Angststörungen ohne Traumabezug ist die
Forschungslage zu EMDR allerdings noch nicht so belastbar wie bei der PTBS.
EMDR bei Angststörungen ist deshalb dann besonders fundiert einsetzbar, wenn traumatische Erlebnisse an der Wurzel der Angst beteiligt sind.
Und das ist häufiger der Fall, als man oft vermutet.
Was EMDR von anderen Therapiemethoden unterscheidet
Klassische Verhaltenstherapie arbeitet stark mit Exposition und dem bewussten Umstrukturieren von Gedanken. Das ist
wirkungsvoll. Aber es setzt voraus, dass man kognitiv auf die Angst zugreifen kann. Bei traumabasierter Angst ist
genau das oft schwierig. Die Angst sitzt tiefer als die Sprache reicht.
EMDR umgeht dieses Problem. Die Methode arbeitet nicht über Einsicht, sondern über die direkte Verarbeitung im
Gedächtnis. Man muss das Erlebnis nicht in Worte fassen. Man muss nicht erklären, warum man sich so fühlt. Das Gehirn
verarbeitet, während die bilaterale Stimulation läuft. Deshalb eignet sich EMDR auch für Menschen, die ein Trauma
intellektuell verstehen, es aber körperlich nicht loslassen können.
Häufige Fragen
Für welche Angststörungen eignet sich EMDR?
EMDR eignet sich besonders bei Angststörungen, die eine traumatische oder belastende Erfahrung als Wurzel haben.
Dazu gehören Panikstörungen, spezifische Phobien und soziale Ängste mit klarer lerngeschichtlicher Grundlage. Auch
wenn eine PTBS und Angststörung gemeinsam auftreten, ist EMDR ein empfohlenes Verfahren. Bei generalisierten
Angststörungen ohne Traumabezug ist die Evidenzlage schwächer. Hier sollte die Entscheidung für EMDR sorgfältig und
individuell getroffen werden.
Wie viele EMDR-Sitzungen braucht man bei Angst?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Es hängt davon ab, wie komplex das zugrundeliegende Erlebnis ist, wie lange
die Angst schon besteht und wie das individuelle Nervensystem reagiert. Bei einem klar umrissenen Auslöser kann die
Verarbeitung in wenigen Sitzungen beginnen. Bei komplexen Verläufen dauert der Prozess länger. In einer EMDR-Intensivwoche lassen sich innerhalb von fünf Tagen oft mehrere
Erlebnisse bearbeiten, weil die Sitzungen täglich und in größerem Umfang stattfinden.
Ist EMDR bei Angst wissenschaftlich belegt?
Bei traumabasierten Ängsten und PTBS ist die Evidenzlage gut. EMDR ist in den deutschen AWMF-Leitlinien als Methode
der ersten Wahl bei PTBS aufgeführt. Für Angststörungen ohne Traumabezug hat das IQWiG festgestellt, dass die
Studienlage noch nicht ausreicht, um eine klare Empfehlung auszusprechen. Diese Unterscheidung ist wichtig und sollte
in einer Beratung zur Sprache kommen.
Was passiert in einer EMDR-Sitzung bei Angst?
Zu Beginn der Sitzung wird das belastende Erlebnis oder die angstauslösende Situation gemeinsam identifiziert.
Danach wird die bilaterale Stimulation eingesetzt, während die betroffene Person das Erlebnis innerlich abruft. Das
Gehirn beginnt, Verknüpfungen zwischen dem Erlebnis und der Alarmreaktion schrittweise zu verändern. Dazwischen gibt
es Pausen. Der Prozess verläuft in einem geschützten therapeutischen Rahmen und wird von der Therapeutin begleitet und
gesteuert.
Als Diplom-Psychologin mit Schwerpunkt EMDR und PEP arbeite ich in meiner Praxis EMDR am Meer in Wremen an der
Nordseeküste mit Menschen, die wissen oder spüren, dass ihre Angst eine Geschichte hat. Das Format der EMDR-Intensivwoche, fünf
Tage, konzentriert, mit Raum für echte Verarbeitung, eignet sich für alle, die nicht länger warten möchten und
Diskretion schätzen. Wenn Sie mehr erfahren möchten, finden Sie alle Informationen auf emdr-am-meer.de.
Kontakt
EMDR am MEER
Kerstin Schulte
Diplom-Psychologin
Heilpr. f. Psychotherapie
EMDR-Therapeutin (Erwachsene und Babys)
PEP-Practitioner
Strandstr. 53
27639 WNK/ Wremen
Tel. +49 4705 – 6603447